LIFESTYLE | WARUM ICH IM RAMADAN ALS NICHT-MUSLIMA FASTE

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Ich kann nicht behaupten, dass es gut ankommt, allerdings möchte ich mich öffentlich zu dem Thema stellen, das innerhalb meines Freundeskreises und meiner Familie so viele Fragen und unberechtigte Sorgen aufwirft. Ich werde in diesem Jahr wieder im Ramadan fasten, obwohl ich keine Muslima bin..

„Und ist das denn gesund den ganzen Tag nicht zu essen“ oder „aber trinken darfst du schon, oder?“ sind nur eine der täglichen Fragen mit denen man konfrontiert wird. Die meisten Leute stellen sich den Ramadan wie eine Prüfung vor, eine üble Bestrafung für die Fastenden, um ihnen das Leben schwer zu machen, aber ich sage, dass es genau das Gegenteil ist, denn ich bin der Meinung, dass es eines der größten Geschenke ist zu fasten. Das Fasten hat mir die Augen geöffnet und mich verändert, zu einem anderen und vielleicht sogar besseren Menschen gemacht, mich vielen lernen und verstehen lassen und meinen Horizont um einiges erweitert.

Als Modepüpchen, Bloggerin oder auch als das Lifestyle Mädchen wirkt man auf die Außenwelt immer sehr "flach". Es wirkt fast so, als wäre ich nur eine wandelnde Werbefläche und als würde ich keine persönliche Meinung teilen können oder eben nur die perfekt inszenierten Momente präsentieren. Ich möchte mit diesem Beitrag aber ein Thema ansprechen, das mir wirklich viel bedeutet. Vor 3 Jahren habe ich das erste Mal während des Ramadan gefastet. Die Reaktion in meinem Umfeld war für mich ehrlich gesagt etwas verstörend. Meine Familie dachte, dass ich dazu gedrängt werden würde und meine muslimischen Freunde haben es gar nicht verstanden.

Wie ich schon erwähnte, ist der Ramadan für mich ein Geschenk, denn das Fasten und der Abstand zu den weltlichen Dingen, den Gewohnheiten und dem täglichen Luxus hat mich tief geerdet und irgendwie auch runtergebracht. Kein Mensch ist perfekt und allwissend, wir lernen alle dazu, aber wir müssen auch bereit sein und verstehen wollen. Ich lebe in so einer oberflächlichen Welt und obwohl mir nie etwas in den Schoß gefallen ist, habe ich schon einiges erreicht. In einem gewissen Maß habe ich mich an Dinge gewöhnt. Wer an Ramadan denkt, der meint, dass es nur um den Verzicht von Essen und Trinken geht. Es ist fast so, als würden die Menschen nichts anderes tun. Sie denken nur darüber nach, was sie später essen, wann sie wieder einkaufen gehen, wo sie mit ihren Kollegen lunchen gehen und so weiter. Wenn man dann morgens Leute zur Bahn rennen sieht, völlig ungegenwärtig über ihr Essen oder Trinken, das sie gerade vielleicht halb verkippen, fragt man sich, warum dieser starke Fokus überhaupt existiert. Was ist aus den Dingen geworden, die uns wirklich bewegen, die Wert für uns haben?

Im Ramadan ist es genau der Entzug dieser weltlichen Güter, der uns heilt, weil die weltlichen Dinge unseren Verstand einnehmen. Weg mit dem Fokus auf die Nahrung – einfach mal einatmen und fühlen. Sich selbst fühlen, zu sich zurückkehren, bewusster sein, werden und leben. Während meines Fastens hatte ich zu keiner Zeit das Gefühl, dass mich das Fasten von irgendetwas abhält, mir ist nur klar geworden, wie besessen unsere Gesellschaft scheint sich immer nur zum Essen treffen zu wollen und dass man sonst wohl gar nicht so viel machen könnte. Es wirkte fast so, als wäre man in einer kleinen Blase eingesperrt und sobald diese geplatzt ist, bleibt man auf der Strecke.

Während des Ramadan im Jahr 2015 habe ich den Koran in 3 Tagen gelesen, ich habe mir eine Liste geschrieben mit den Dingen, die ich während des Fastens erreichen möchte und ich bin einen 10 Kilometerlauf gelaufen. Letzteres war sehr umstritten, allerdings war es der perfekte Beweis für alle Skeptiker, dass auch Veränderungen kein Hindernis für unsere Ziele sein müssen.

Ich bin damals relativ zufällig nach einer Chinareise auf das Thema Ramadan gestoßen, allerdings war es durch Freunde immer in meinem Umfeld. Ich habe gesagt, dass ich nie fasten wollen würde, als ich mich mit einem Schulkameraden in der 9. Klasse zu dem Thema unterhalten habe. Ich habe damals auch gesagt, dass ich nie Vegetarierin werden würde und was soll ich sagen, „sag niemals nie“. Wir können alles erreichen, wenn wir uns nur darauf einlassen. Ich habe damals eine Krise in meinem Leben gehabt, eigentlich eine Serie von Krisen und eine üble Trennung. Als ich mich zu dem Thema Ramadan belesen habe, da habe ich es als eine Art Heilung meiner Selbst angesehen, um wieder zu mir zu finden. Natürlich könnte ich auch zu jeder anderen Zeit fasten, aber das gemeinschaftliche und das zusammen kommen am Abend ist so unglaublich berührend und antreibend. Ich habe macht damals schon auf den Ramadan gefreut und auch jetzt tue ich es wieder, denn es ist ein Geschenk für die, die erkennen wollen, dass es mehr ist, als das was es nach Außen scheint.

Ich bin sehr dankbar für dieses Geschenk und bin gespannt, wie ich mich in diesem Jahr verändern werde und welche neuen Erkenntnisse ich für mich gewinnen kann. Nur weil etwas neu oder fremd erscheint, muss es nicht schlecht sein. Es ging mir körperlich sehr gut, aber vor allem geistig und seelisch hat mir das Fasten im Ramadan viel gebracht. Der Islam ist eine sehr verständnisvolle und friedliche Religion, die leider von vielen Vorteilen geprägt ist. Ich hoffe, dass dieser Beitrag etwas dazu aufklärt und zeigt, dass die Kultur und deren Bräuche sehr tiefgründig und berührend sind und etwas Wertvolles für unsere Gesellschaft darstellen.

رمضان كريم/مبارك

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